Als ich auf einer News-Seite gelesen habe, dass Adobe auf die Creative Cloud umsteigt, habe ich das als Auftakt dafür genommen, mein "Verhältnis" zu Photoshop und den Plugins gründlich zu überdenken und zu beginnen, nach geeigneten Alternativen Ausschau zu halten.
Creative Cloud hat gegenüber Kaufsoftware vor allem einen entscheidenden Nachteil, den ich unter keinen Umständen gewillt bin, in Kauf zu nehmen:
Während ich Kaufsoftware auch 5 Jahre später bedenkenlos ausführen kann, ist das bei der Creative Cloud nicht möglich. Höre ich nämlich auf, die Zahlung zu leisten (Monats-/Jahresbetrag), merkt das die Software, die ja mindestens alle 30 Tage die Gültigkeit der Lizenz prüft. Sie stellt ihre Funktion nach spätestens 180 Tagen vollkommen ein. Die Software ist dann zwar lokal installiert, ist aber nicht länger nutzbar!
In anderen Worten: Will ich die Creative Cloud Software nutzen, muss ich mindestens eine laufende Monatspauschale entrichten. Pauschale deshalb, weil ich ja nicht weiß, wie oft ich die Software innerhalb eines Monats tatsächlich verwende (man denke nur an Urlaub, Krankheit,...) Nutze ich die Software 5 Jahre lang, so wie die Kaufsoftware, kommt das in fast jedem Fall wesentlich teurer. Adobe versucht natürlich, solche Gedanken gar nicht erst aufkeimen zu lassen und propagiert das neue Lizenzmodell mit dem Argument, dass jemand statt einigen hundert oder gar mehr als eintausend Euro jetzt nur knapp zwanzig Euro löhnen muss, um in den Genuss der kreativen Software von Adobe zu kommen. In gar nicht allzu wenigen Fällen mag das vollkommen korrekt sein und das Lizenzmodell seine Berechtigung haben. Für die übrigen ist es allerdings ein gewaltiger Nachteil. Das Ganze nennt sich in Business-Sprech "Optimierung des Geschäftsmodells", in den einfacheren Worten des Normalverbrauchers heißt das "Abzocke"!
Leider werden sich scharenweise Kunden finden, die bereit sind, die Creative Cloud nach allen Regeln der Kunst zu abonnieren. Adobe braucht sich vor den paar bellenden Hunden, wie ich einer bin, nicht zu fürchten, die Pfründe sind schon jetzt gesichert, davon gehe ich aus.
Im Augenblick bin ich mir für meinen Teil gar nicht mehr so sicher, ob ich so etwas wie Photoshop in Zukunft überhaupt noch verwenden will. Wenn ich ehrlich bin, kann man mit solchen Tools wunderschöne Bilder hinbekommen, die aber eigentlich mit einer einigermaßen "wahrheitsgetreuen" Wiedergabe der Realität je nach Grad der Bearbeitung sehr, sehr weit entfernt sein können - obwohl sie bombastisch aussehen. Ich denke mal, ich überlasse diesen künstlerischen Teil denjenigen Fotografen und Bildbearbeitern, die entweder beruflich darauf angewiesen sind oder gerade diese Möglichkeit eines solchen künstlerischen Ausdrucks suchen und bleibe bei der eher "realitätsnahen" Nachbearbeitung. Da ist schon HDR für mich ein ziemlicher "Grenzfall"...
Lightroom werde ich ziemlich sicher weiterverwenden, es ist für mich mittlerweile zum Grundstein meines workflows geworden, macht mir DNGs aus meinen RAWs und kann mit diesen auch umgehen - ganz im Unterschied zu vielen anderen RAW Konvertern. Auch wegen dem sog. asset management und den umfangreichen, automatischen Korrekturfunktionen für Farbe und Objektivverzerrungen ist es für mich praktisch ein "Muss". Hinsichtlich der Bildbearbeitung bin ich mir nich ganz so sicher, liefert Lightroom doch recht "sterile" Ergebnisse im Vergleich zu Photo Ninja - dem wiederum etliche Elemente von Lightroom fehlen. Beide Produkte ergänzen sich aber hervorragend, und ich glaube, mein persönliches "dream team" habe ich schon gefunden

! Mal sehen, wie sich Photo Ninja weiterentwickelt, vielleicht kann ich eines Tages sogar von Lightroom loskommen...
Bildbearbeitung à la Photoshop hat sich aller Voraussicht nach für mich erledigt, ich werde da einen radikalen Schnitt machen. Will ich wirklich stundenlang verschiedene Layer in Photoshop bearbeiten, nur um zum "optimalen" Ergebnis zu kommen? Das ist zwar interessant und man kann viel lernen, aber man verliert auch viel Zeit dabei und die Qualität der Bilder wird dabei nicht um 100% gesteigert!
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich in einigen Photoshop-Alternativen zwar Photoshop Filter verwenden lassen, aber teilweise leider nur mit massiven Einschränkungen (z.B. nur im 8-bit Modus), sodass sie für mich unbrauchbar werden. Auf Plugins kann ich dann also auch ganz verzichten. Und für gelegentliche Korrekturen - sollten sie tatsächlich mal notwendig werden -, die die Kapazitäten von Lightroom und/oder Photo Ninja übersteigen, lässt sich dann vielleicht sogar auf Freeware wie GIMP ausweichen...
Zu allem Unglück ist von Adobe's Strategiewechsel auch das mir liebgewonnene InDesign betroffen. QuarkXpress kann vielleicht noch eine zeitlang als Ausweichmöglichkeit dienen, jedenfalls solange, bis Quark die Strategie von Adobe übernimmt (wird sicher noch kommen). Dann bleibt nur mehr Serif PagePlus - solange Serif am Markt überlebt, was bei so kleinen Unternehmungen eigentlich immer die große Unsicherheit darstellt. Insgesamt läuft es wie in allen anderen Bereichen des Lebens auf eine starke Konzentration und Monopolen aus von Firmen, die alles unter Kontrolle haben, einschließlich dem beinahe direkten Griff in die Geldbörse der willigen Kundschaft (die in ihrem Dämmerschlaf nicht mitbekommt, wie es eigentlich um sie bestellt ist)...