Sensorreinigung mit Sensor-Film

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ahinterl
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Sensorreinigung mit Sensor-Film

Beitrag von ahinterl » Dienstag 19. Juni 2012, 12:02

Für diejenigen, die's interessiert, poste ich mal meine ersten Erfahrungen mit Sensor-Film (http://www.sensor-film.com/).

Weil ich ein übervorsichtiger Mensch bin, was meine Kamera betrifft, habe ich Sensor-Film nach Erhalt mit der Post gleich mal in verschiedenen Variationen (dick, dünn, große und kleine Flächen,...) auf der glatten Unterseite einer DVD ausprobiert. Als ich dann aber gesehen habe, wie fest der getrocknete Film auf dieser Oberfläche haftet und wie schwer er sich, wenn überhaupt ohne Zuhilfenahme eines Fingernagels, von dort wieder abziehen lässt, ist bei mir umgehend Ernüchterung eingetreten. Ich bin erstmal froh gewesen, das Experiment nicht auf einem echten Kamerasensor durchgeführt zu haben.

Obwohl ich nach Anleitung vorgegangen bin, habe ich mich nicht getraut, einen Sensor meiner Kamera mit dem Film zu benetzen. Eine Anfrage beim Erfinder und Vertreiber des Produkts, ob ich es trotzdem wagen könne, ist leider bis heute unbeantwortet geblieben. Kommunikationsfreudig ist der Mann also sichtlich nicht. Obwohl Sensor-Film bei mir hohe Erwartungen geweckt hat, habe mit einem Mal all die Schauergeschichten über Sensor-Film, die man in diversen Foren lesen kann (abgerissene Folien, zurückgebliebene Teile auf dem Sensor, die sich nicht ablösen lassen usw.) und Aussagen wie "exzentrische Reingungsmethode" irgendwie besser nachvollziehen können!

Weil es aber eben auch die anderen Stimmen in solchen Foren gibt, die Sensor-Film geradezu preisen, hat mir mein Misserfolg damit keine Ruhe gelassen. Glücklicherweise habe ich in meiner beruflichen Tätigkeit Zugriff auf diverse Kameras, und so habe ich beschlossen, einen "Real-Test" an einem Sensor einer Kamera durchzuführen, bei der es keine Rolle spielt, ob der Sensor ruiniert wird oder nicht.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn man es ungefähr so macht, wie in der Anleitung oder im Video-Tutorial auf YouTube beschrieben, ist Sensor-Film eigentlich unkritisch und hat in all meinen wirklich zahlreichen und ausgiebigen Tests wunderbarst funktioniert. Auch Rückstände haben sich durch erneutes Auftragen eines neuen Films wieder entfernen lassen, d.h. sollte irgendwo was beim Abziehen zurückbleiben, dann einfach neu einpinseln und der Rest geht mit dem neuen Film mit ab. Ich habe zwar den Sensor meiner G3 noch nicht damit behandelt (kommt am Wochenende!), dafür aber meine NEX-5, der Sensor strahlt wie neu. Alle Schauergeschichten über Sensor-Film sind, wenn man nicht allergröbstens was falsch macht, meines Erachtens genau das, eben Schauergeschichten. Auch wenn man den Film dort aufträgt, wo der Erfinder des Produkts warnt (Rand der Sensoreinfassung), zu dick oder zu dünn pinselt etc. geht alles wie in einem Guss wieder ab und hinterlässt eine völlig saubere Sensoroberfläche. Auch das Papier für den Streifen zum Abziehen findet sich normalerweise in jedem Haushalt, das ist ebenfalls recht unkritisch.

Nachteilig ist die Trockenzeit von insgesamt ca. 2-3 Stunden. Ich habe auch damit Tests gemacht, sogar absolut 1000%-ig durchtrocknen muss der Film gar nicht. Alles in Allem also eine wunderbare Sache, die den Sensor wirklich schont, weil der Pinsel (Typ, Dicke etc. ist ebenfalls unkritisch) mit der Sensoroberfläche nicht wirklich in Berührung kommt. Ich jedenfalls kann Sensor-Film jedem empfehlen, der die Trockenzeit in Kauf nimmt und gerne alles los werden will, was am Sensor so an Staub und Unrat klebt.

Sensor-Film ist wasserlöslich und kann mit Wasser rückstandslos entfernt werden, egal ob trocken oder flüssig. Wasserlösliche Verunreinigungen kann er vom Sensor lösen, genauso wie Staub u. dlg. Also kein Öl (Fingertapper am Sensor) oder sowas.

Ich bin zufrieden mit dem Produkt. Damit's zwischendurch schneller geht, habe ich mir von Dust-Aid den Platinum Stempel geordert, da muss ich nicht auf's Trocknen warten. So viele Reinigungen wie mit Sensor-Film kann ich damit allerdings nicht machen. Ich schätze mal, dass ich mit dem Sensor-Film Fläschchen, sofern das nicht eintrocknet, vielleich 200 oder sogar mehr Reinigungen machen kann, man braucht sehr wenig davon.

So, das war's, ein langer Beitrag, vielleicht hilft er ja dem Einen oder Anderen. Frohes Fotografieren!
Andreas

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basaltfreund
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Re: Sensorreinigung mit Sensor-Film

Beitrag von basaltfreund » Dienstag 19. Juni 2012, 12:08

Danke für den ausführlichen Beitrag ...sehr interessant!!
Eine Frage drängt sich mit bei diesem Thema noch auf: Wie oft machst du den Sensaor sauber?
Nach bedarf wenn man was sieht oder einfach regelmässig?
viele Grüsse aus der Eifel Michael
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Re: Sensorreinigung mit Sensor-Film

Beitrag von FotoKunst » Dienstag 19. Juni 2012, 12:13

Na wenn ich diesen Erfahrungsbericht lese, hättest du dir auch das 10 Mal günstigere Discofilm bestellen können und hättest am Ende vermutlich die gleichen Erfahrungen gemacht, denn Schauergeschichte gibts über Sensorfilm genauso wie über Discofilm. Das Video was ich bei Youtube gesehen hatte, war mit Discofilm gemacht worden und das Ergebnis war wirklich beeindruckend. Ich warte immer noch auf meinen Discofilm. Die Lieferung soll zwischen dem 22 und 26 Juni ankommen. Aber es scheint ja, als würden beide "Filme" ihre Arbeit gewissenhaft und gut erfüllen.

ahinterl
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Re: Sensorreinigung mit Sensor-Film

Beitrag von ahinterl » Dienstag 19. Juni 2012, 13:41

Discofilm =! Sensor-Film!

Discofilm ist für Schallplatten entwickelt worden, Sensor-Film basiert auf Discofilm, ist jedoch für Kamerasensoren modifiziert: http://www.sensor-film.com/de/about.html

Das ist die ursprüngliche Seite mit Discofilm: http://www.gletscherbruch.de/foto/senso ... igung.html. Die ist veraltet, der Autor und Erfinder von Sensor-Film erklärt die Verbesserungen von Sensor-Film gegenüber Discofilm.

Ich persönlich würde Discofilm nicht verwenden, muss ich ganz ehrlich sagen, auch wenn ich dafür was bezahlt bekäme. Das ist für den Einsatz bei Kameras nicht ausgelegt und hat mehr was von Notbehelf. Lieber mehr zahlen und weniger Probleme haben, bevor was in's Auge geht - aber jeder nach seinem persönlichen Geschmack! Mir ist meine Kamera für solche Experimente dann doch ein bisschen zu schade.

Den Sensor reinige ich übrigens nach Bedarf. Mit meiner Lupe (VisibleDust mini Quasar) schaue ich vor "wichtigen" Einsätzen und sonst sporadisch mal auf den Sensor, ob da was Größeres drauf ist, und blase dann gezielt aus und/oder nehme den Sensorpinsel. Nassreinigen werd' ich dank Sensor-Film jetzt wahrscheinlich noch weit weniger (falls das überhaupt noch notwendig sein sollte), ausserdem warte ich noch auf Dust-Aid Platinum (http://www.dust-aid.com/08DAplatinum.html), das unterwegs oder sonst mal auf die Schnelle wenn's "klemmt" und der Staub so gar nicht ab will rasch Abhilfe schafft. Sensor-Film werd' ich sicher nicht oft brauchen, das meiste geht mit Ausblasen und/oder Pinseln ab.

Hie und da eine Grundreinigung denke ich schadet nicht: Staub kann im blödesten Fall nämlich zu sog. "welded dust" werden (Einwirkung von Feuchtigkeit; http://www.bythom.com/cleaning.htm "welded dust" in der grauen Spalte rechts), der dann wirklich fest am Sensor klebt und nur schwer ab geht, da steigt dann natürlich die Chance, den Sensor bei der Reinigung irgendwie zu beschädigen. Ich persönlich würde mir schon wegen einer winzigkleinen und geringfügigen Verletzung der Sensor-Oberfläche in den Hintern beißen! Da beug' ich lieber vor und geb' dem Staub durch periodische "Grundreinigung" gar nicht erst die Chance, zu "welded dust" zu werden! Und Sensor-Film dürfte meines Erachtens wirklich extrem schonend für den Sensor sein, nach Ausblasen für mich die schonendste Methode überhaupt!

Obwohl ich kein Sauberkeits-Freak bin und auch nicht übertreiben will beim Reinigen, möchte ich es doch eher so wie auf der Seite von "Cleaning Digital Cameras" http://www.cleaningdigitalcameras.com/ vermerkt ist halten: "The best photography is always dust free". In diesem Sinn frohes Fotografieren (und Reinigen) :D
Andreas

ahinterl
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Re: Sensorreinigung mit Sensor-Film

Beitrag von ahinterl » Mittwoch 20. Juni 2012, 08:18

So, jetzt habe ich auch eine Reinigung meiner G3 mit Sensor-Film hinter mir: unspektakulär. Der Sensor glänzt wie neu.

Sensor-Film gefällt mir mittlerweile ausserordentlich:
  • Ist leicht handhabbar, man muss kein Wissenschafter mit den feinen und ruhigen Händen eines Uhrmachers sein
  • Die Chance, etwas falsch zu machen und damit Probleme zu bekommen, ist äußerst gering
  • Das Reinigungsergebnis ist immer perfekt
  • Der Sensor wird in jeder Hinsicht geschont, sofern man mit dem Pinsel beim Auftragen nicht wie ein Wahnsinniger herumfuhrwerkt und aufdrückt
Lediglich die Trockenzeit von ca.1-3 Stunden (je nach Wärme und Luftfeuchtigkeit), und dann nochmal ca. 1/2 - 1 Stunde für den Papierstreifen spricht meiner Meinung nach gegen Sensor-Film. Ach ja, und der scheint kein Interesse daran zu haben, per Mail zu kommunizieren, Support dürfte es also gar nicht geben (=kauf' und Gut is'). Für nicht-wasserlösliche Verschmutzungen (Öl,...) ist Sensor-Film nicht geeignet, aber da braucht man in jedem Fall spezielle Reinigungsmethoden.

Ich habe in diversen Tests versucht, absichtlich Probleme bei der Verwendung von Sensor-Film zu provozieren, es ist mir nicht wirklich gelungen. Jeder hier im Forum hat denke ich die Voraussetzungen dazu, Sensor-Film richtig anwenden zu können. Ich halte das Produkt im Vergleich zu anderen Reinigungsmethoden als in keiner Weise unsicherer in jeder Hinsicht. Im Gegensatz zu mancher Reinigungsflüssigkeit ist Sensor-Film ungiftig.

Ich kann Sensor-Film ruhigen Gewissens als wunderbare Reinigungsmethode für Kamerasensoren wärmstens empfehlen!
Andreas

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