Hier mein Senf dazu, ein Klugscheißer wie ich kann sich eben nur schwer zurückhalten
Zuerst eine kleine "Hintergrundinformation", weil ich ja für eine Firma arbeite, die auch ganz oben bei Kameras "mitmischt": Große Sensorformate sind ein ziemliches Risikogeschäft, da sind genügend Firmen "am Werk" und der Kundenkreis ist relativ überschaubar. Bei den hohen Entwicklungskosten für eine großformatige Kamera muss man sich genau überlegen, ob man sowas als Hersteller überhaupt macht oder besser lässt.
Zu den Sony Alpha SLTs: Der Spiegel reduziert den Lichteinfall um ca. 1 Blendenstufe. Da gibt's genügend Beispiele im Internet, die die Auswirkungen bildhaft zeigen. Der Effekt//Verlust ist also vernachlässigbar. Sony stellt nur mehr solche Kameras im "Spiegelreflex-Segment" her. Die Vorteile überwiegen, langfristig denke ich aber, dass sich vollkommen Spiegellose durchsetzen. Der Vorteil der SLTs: Phasen-AF. Nachteile: Größe, zusätzliches Element, das gereinigt werden muss (ich habe keine Ahnung, wie der empfindliche Spiegel gesäubert werden kann).
Zu Phasen-AF: Ein teurer ist immer noch schneller als Kontrast-AF. Das war's aber dann auch schon mit den Vorteilen, ansonsten gibt's da eigentlich nur Nachteile:
- Eigenes elektronisches Bauteil für Detektion notwendig
- Licht muss auf dieses Bauteil umgelenkt werden (klappbarer Spiegel oder halbdurchlässiger, fixer wie bei Sony SLTs)
- Phasen-AF kann Synchronizität verlieren, d.h. es wird falsch fokussiert; wenn die Kamera keine Möglichkeit hat, das in einem Bedienmenü korrigieren zu können, sieht's schlecht aus
- Für Fokussieren auch bei schwierigen Verhältnissen sind teure Kreuz-Zonen des Detektors notwendig; aus Kostengründen haben billigere DSLR's aber nur einige wenige davon
- Die Stellen, wo der Phasen-AF misst, sind nur ganz wenige, eher punktförmige, und die sind in der Bildmitte konzentriert angeordnet, die lassen sich auch nicht verschieben, sind also fix
All diese Nachteile hat Kontrast-AF nicht. Einziger Nachteil meiner Meinung nach ist die Geschwindigkeit, da wird aber sicher noch zugelegt werden. Genauer ist Phasen-AF nur bei bestimmten Blendenstufen, und auch nur dann, wenn er wirklich gut ist. Es gibt auch Bereiche, in denen Kontrast-AF in punkto Genauigkeit übertrifft. Alles in Allem finde ich persönlich, dass Kontrast-AF die bessere weil einfachere und zuverlässigere Methode ist.
Dann noch die ewige Diskussion EVF vs. optischer Sucher: Da wird letztendlich irgendwann mal der EVF siegen, wenn die Darstellung schnell genug reagiert und genügend Auflösung hat. Versuch mal, ein entferntes Objekt mit einem optischen Sucher einwandfrei manuell scharfzustellen - no chance!
Ich behaupte mal, dass klassische DSLRs ein Relikt der Vergangenheit sind: Im Zuge der Entwicklung hat man Bewährtes genommen und statt des Films einen elektronischen Sensor verbaut. Alles andere ist quasi aus der alten Analog-Zeit übernommen worden, mit all seinen Vor- und Nachteilen. Und weil das eben eine Art "Retro-Fit" ist, sind die einzelnen Bestandteile von Analog- und Digitaltechnik nicht optimal aufeinander abgestimmt. Digital ist eine Spiegellose, punkt. Und irgendwann fokussieren die genauso schnell und genau wie der beste Phasen-AF, und irgendwann sind dann für Profis auch 5 Megapixel Farb-EVFs eingebaut, die keine sichtbaren Darstellungsverzögerungen mehr haben. Spätenstens dann sind DSLRs vollkommen überflüssig (das sind sie meiner Meinung nach jetzt schon).
Ich habe überlegt, mir eine Sony A-37 zuzulegen. Die Nachteile haben überwogen. Und ich krieg' solche Kameras wirklich sehr billig. Deshalb bleib' ich bei meiner G3.