Person bzw. Objekt vom Hintergrund feistellen

Hier geht`s um die "Augen" für die Lumix G-, GH-, GF- und GX-Modelle. Alles rund um die Micro-Four-Thirds-Linsen von Panasonic, Olympus, Leica, Voigtländer und Co.
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Lenno
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Re: Person bzw. Objekt vom Hintergrund feistellen

Beitrag von Lenno » Mittwoch 21. März 2018, 14:03

caprinz hat geschrieben:Hallo,
um eine Person "frei zu stellen" brauchst du einen passenden ruhigen Hintergrund,möglichst monochrom und ohne störende Strukturen.
Die Bilder in diesem Thread zeigen genau auf,wie man es nicht machen sollte.
Eine noch bessere Idee für die Bildgestaltung ist,Locations zu suchen,wo die Person vom Style und ihren Klamotten in die Umgebung hineinpasst.
Die Bilder sollen vor allem zeigen, wie die Hintergrundschärfe des Olympus m.Zuiko45mm/f=1,8 in Relation zur Person aussieht.
Und zwar ungeschönt.

Kinder sind keine TFP Modells die sich stundenlang strietzen lassen - man muss sie da aufnehmen wo sie gerade sind.
Und Erwachsene sind da keinen deut besser.
Die Bilder zeigen also zu 99,9% die Situation die man im Hobby Fotografen Alltag haben wird.

Matthias kann also nun anhand dieser Bilder beurteilen ob ihm die Hintergrundunschärfe so reicht, also die Person genug freigestellt ist, oder sie reicht ihm vielleicht auch nicht.

Wem eine richtig schöne Freistellung sehr wichtig ist wird hier zu einer Kamera mit Kleinbildsensorgröße greifen,
wie es dann Berufsfotografen tun, denn mit MFT gelingt das eben nur mit sehr viel Aufwand und sehr lichtstarken meist teuren Objektiven.

HotCookie
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Re: Person bzw. Objekt vom Hintergrund feistellen

Beitrag von HotCookie » Donnerstag 22. März 2018, 04:38

Lenno hat geschrieben:denn mit MFT gelingt das eben nur mit sehr viel Aufwand und sehr lichtstarken meist teuren Objektiven.
Z. B. durch Nachbearbeitung mit Photoshop. Das wäre dann die Abteilung "sehr viel Aufwand". ;)
Möge das Licht mit Euch sein
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ThomasT
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Re: Person bzw. Objekt vom Hintergrund feistellen

Beitrag von ThomasT » Donnerstag 22. März 2018, 13:51

caprinz hat geschrieben:Wenn es um den technischen Aspekt geht,Hintergrund weich matschen,hat man gezeigt,was geht.
Das ist in Ordnung.
Mit Bildgestaltung hat das weniger zu tun.
Volle Zustimmung.

Vorallem wenn Hintergrundmatsch als "cineastisch" gilt. Im Film wird sehr wenig und dann gezielt mit Schärfe gearbeitet.
Ich habe gefilmt. Mit Blende 2.0. Mit dem 7.5er gings. Mit dem 12 war es schon sehr kritisch mit der Schärfe. Mit dem 50er wars die Hölle. 2 cm Schärfentiefe. Meine Freundin hat auf die Kontaktlinsen scharf gestellt und die Adern im Auge waren schon unscharf.

Man kann natürlich gezielt unscharfe Lichter als Hintergrund wählen. Gezielt und gewollt ist ok. Weil die hässliche Blümchentapete beim Aktmodel scheisse aussieht die Matsche-Freistellung zu wählen ist eher der Faulheit und dem Unvermögen geschuldet. Was z.B. beim Film sehr oft gemacht wird und komischerweise bei der Photographie im Amateurbereich sehr selten ist ein gezieltes Backlight / Streiflicht.
Lumix G3, GF3
Blackmagic Pocket Cinema Camera (super16 sensor, Cropfaktor 2.88 KB)
Panasonic 7-14, Laowa 7.5 mm, SLR Magic Hyperprime 12 mm, Panasonic 14-42, Sigma 19, Panasonic 20, Panasonic 45-150
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caprinz
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Re: Person bzw. Objekt vom Hintergrund feistellen

Beitrag von caprinz » Donnerstag 22. März 2018, 18:40

TronWorrior hat geschrieben: Durch die höhere Brennweite war es mir nun möglich kleine Objekte aus der Ferne zu photographieren -> Problem gelöst
Nur das Freistellen funktioniert nach wievor nicht. Mit der höhren Brennweite, sollte ich doch auch bei gleicher Blendenzahl eine geringere Schräfentiefe haben?
Oder ist die Blendenzahl des Objektiv immernoch zu hoch, um damit effektiv eine Person vom Hintergrund freizustellen?
Oder fokussiere ich falsch?

Danke für die Hilfe


Gruß Matthias
Hallo Matthias,
mit längerer Brennweite verändert sich die Schärfentiefe nicht,wenn du den gleichen Ausschnitt (Person) fotografierst.Die höhere Brennweite verändert die Perspektive = größerer Abstand zum Motiv.
Was sich ändert durch den kleineren Bildwinkel---> du hast weniger Umgebung,Hintergrund auf dem Bild.

Es ist außerdem falsch zu glauben,Lichtstärke sei das Kriterium für Portaits und Portraitobjektive.
Je nach Art der Gestaltung hat man eher ein Problem mit zu wenig Schärfentiefe,wie mein Beispiel zeigt.
Der Kopf ist seitlich gedreht,das vordere Auge focusiert,das hintere wird unscharf.In Webgröße fällt es nicht so stark auf,aber in A4 ausbelichtet kann man es bereits deutlich sehen.
Ich hätte hier also besser noch auf f11 abgeblendet (EOS 5D mit 2.0/135mm),würde µFT ca.68mm f5.6 entsprechen.
Erst wenn du Ganzkörperaufnahmen machst,kommt die Lichtstärke mit selektiver Schärfe ins Spiel.
Je größer der Sensor,desto geringer die Schärfentiefe.
Als Extrembeispiel kann man Kleinbild mit 1,0/50mm oder 1,2/85mm anführen.
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Gruß Carsten

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Fossil
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Re: Person bzw. Objekt vom Hintergrund feistellen

Beitrag von Fossil » Dienstag 27. März 2018, 16:40

caprinz hat geschrieben:Wenn es um den technischen Aspekt geht,Hintergrund weich matschen,hat man gezeigt,was geht.
Das ist in Ordnung.
Mit Bildgestaltung hat das weniger zu tun.
Es ist empirisch bewiesen,dass der Blick des Betrachters immer zuerst auf die hellen Stellen zielt,also in obigem Beispiel auf die Lichtkreise der Kerzen.
Zum "Hintergrund weich matschen":
Das offensichtliche Ansinnen, mit diesem Portrait die weihnachtliche Stimmung einzufangen, ist m.M.n. gut gelöst. Das Gesicht ist freigestellt, das festlich-heimelige Weihnachtsflair kommt durch den für meine Augen durchaus nicht vermatschten, sondern subtil eingefangen Hintergrund gut zur Geltung.
Vor einem nahezu oder völlig einfarbigen, strukturlosen Hintergrung ein Motiv freizustellen, egal was, ist wahrlich keine Kunst. Die beginnt da, wo der Hintergrund keine Leinwand, sondern das richtige Leben und das Licht keine Studiobeleuchtung ist. Und erst da sieht ein Portrait IMHO interessant, natürlich und nicht gestellt aus. Das von Lenno gezeigte s/w-Portrait gehört zu dieser Art von Portraits.
"Nelli" ist fraglos ein technisch sehr gut gemachtes Studioportrait, aus dem Sachkunde und Können des Fotografen sprechen. Auf mich wirken diese Art von Aufnahmen aber ausnahmslos so, wie sie entstehen: gestellt und unnartürlich.

Zum "Lichtkreise der Kerzen lenken Blick ab":
Der Mensch hat eine angeborene Präferenz für den Menschen. Auch auf Bildern zieht die Silhouette Mensch oder ein Gesicht unsere Aufmerksamkeit vor allen anderen Bildbestandteilen auf sich. Ist auf einem Bild ein Gesicht zu sehen, dann können drumherum Eichhörnchen auf Fahrrädern kreisen und im Hintergrund quietschbunte Torten explodieren, unser Blick wird sich ohne Umschweife auf das Gesicht konzentrieren.
caprinz hat geschrieben:Es ist empirisch bewiesen,dass der Blick des Betrachters immer zuerst auf die hellen Stellen zielt
Diese Studien würden mich sehr interessieren. Wo sind die zu finden?
Beste Grüße von Antje

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Re: Person bzw. Objekt vom Hintergrund feistellen

Beitrag von Sinuett » Dienstag 27. März 2018, 17:03

Da kann ich jedes Wort unterschreiben, Anja.

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Re: Person bzw. Objekt vom Hintergrund feistellen

Beitrag von caprinz » Dienstag 27. März 2018, 20:41

Fossil hat geschrieben:[Zum "Hintergrund weich matschen":
Das offensichtliche Ansinnen, mit diesem Portrait die weihnachtliche Stimmung einzufangen, ist m.M.n. gut gelöst. Das Gesicht ist freigestellt, das festlich-heimelige Weihnachtsflair kommt durch den für meine Augen durchaus nicht vermatschten, sondern subtil eingefangen Hintergrund gut zur Geltung.
Vor einem nahezu oder völlig einfarbigen, strukturlosen Hintergrung ein Motiv freizustellen, egal was, ist wahrlich keine Kunst. Die beginnt da, wo der Hintergrund keine Leinwand, sondern das richtige Leben und das Licht keine Studiobeleuchtung ist. Und erst da sieht ein Portrait IMHO interessant, natürlich und nicht gestellt aus. Das von Lenno gezeigte s/w-Portrait gehört zu dieser Art von Portraits.
"Nelli" ist fraglos ein technisch sehr gut gemachtes Studioportrait, aus dem Sachkunde und Können des Fotografen sprechen. Auf mich wirken diese Art von Aufnahmen aber ausnahmslos so, wie sie entstehen: gestellt und unnartürlich.

Zum "Lichtkreise der Kerzen lenken Blick ab":
Der Mensch hat eine angeborene Präferenz für den Menschen. Auch auf Bildern zieht die Silhouette Mensch oder ein Gesicht unsere Aufmerksamkeit vor allen anderen Bildbestandteilen auf sich. Ist auf einem Bild ein Gesicht zu sehen, dann können drumherum Eichhörnchen auf Fahrrädern kreisen und im Hintergrund quietschbunte Torten explodieren, unser Blick wird sich ohne Umschweife auf das Gesicht konzentrieren.
caprinz hat geschrieben:Es ist empirisch bewiesen,dass der Blick des Betrachters immer zuerst auf die hellen Stellen zielt
Diese Studien würden mich sehr interessieren. Wo sind die zu finden?
Dass helle Stellen den Blick auf sich ziehen,kann man in jedem guten Fotobuch über Bildgestaltung nachlesen, John Hedgcoe z.B...
Was Hintergrund und Umgebung betrifft,haben wir offensichtlich stark unterschiedliche Vorstellungen.
Ich finde es schon wichtig,dass den abgebildeten Personen wie dem kleinen Mädchen keine Zweige seitlich aus dem Kopf wachsen...Ist übrigens gestellt und nicht natürlich.
Wenn man Menschen in Umgebung fotografiert mit Fahrrädern und quietschbunten explodierenden Torten,sollte man das n.m.M.auch zeigen und nicht versuchen,mit selektiver Schärfe zu eliminieren.
Interessant übrigens,dass du denkst,"Nelli" ist im Studio entstanden.
Sie sitzt in einer Bar an der Theke,etwas gedankenverloren,und der Hintergrund ist ein dunkelblauer Wandteppich.
Gruß Carsten

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Re: Person bzw. Objekt vom Hintergrund feistellen

Beitrag von Fossil » Mittwoch 28. März 2018, 20:18

Eines muss ich noch betonen, um keinen falschen Eindruck zu erwecken: Mit meinen oben geäußerten Gedanken möchte ich niemanden angreifen oder mich despektiertlich über Studio- und Portraitfotografie auslassen. Ich habe da einfach einen verkanteten Blick. Ich bin eine Weile bei einem Portraitfotografen mitgelaufen (berufsorientierend, laaaang ist's her) und habe festgestellt, dass das mal so gar nichts für mich ist. Die Lehrsätze, auf die Du verlinkst, habe ich da in- und auswendig gelernt.
Natürlich hätte mich der Meister mit einem Bild wie dem des Mädchens, dem Äste aus dem Kopf wachsen, vom Hof gejagt, selbst wenn ich beteuert hätte, dass sie als Baumelfe im Sommernachtstraum mitspielt. Schon weil es sehr gekünstelt wirkt, habe ich es nicht als eines der Bilder genannt, die mir gefallen.
caprinz hat geschrieben:Wenn man Menschen in Umgebung fotografiert mit Fahrrädern und quietschbunten explodierenden Torten,sollte man das n.m.M.auch zeigen und nicht versuchen,mit selektiver Schärfe zu eliminieren.
Da hast Du mich missverstanden. Ich wollte damit nur betonen, dass ein Betrachter trotz Brimborium und Hully Gully auf einem Bild immer Gesichter oder menschliche Gestalten sofort erkennen wird und davon durch kein Bildbestandteil abzulenken oder fehlzuleiten ist.
caprinz hat geschrieben:Interessant übrigens,dass du denkst,"Nelli" ist im Studio entstanden. Sie sitzt in einer Bar an der Theke,etwas gedankenverloren,und der Hintergrund ist ein dunkelblauer Wandteppich.
lch habe das vermutet, weil es wie eine Studioaufnahme und entsprechend gestellt wirkt und nicht wie eine Aufnahme, die in der belebten Welt außerhalb eines Studios aufgenommen wurde. Allerdings muss ich gestehen, dass ich auch noch nie in einer Bar gesessen habe, wo mein Gegenüber so perfekt ausgeleuchtet wurde. Oder ist diese Bar in Deinem Studio? Der blaue Hintergrund nebst Kettenlady findet sich ja auch auf anderen Bildern von Dir.
caprinz hat geschrieben:Dass helle Stellen den Blick auf sich ziehen,kann man in jedem guten Fotobuch über Bildgestaltung nachlesen, John Hedgcoe z.B...
Das ist richtig. Dieser Passus taucht regelmäßig in der Fotoliteratur auf. Es werden nur leider dazu nie Quellennachweise genannt. Die sollte man haben, wenn man anführt, dass etwas empirisch bewiesen ist.
Beste Grüße von Antje

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caprinz
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Re: Person bzw. Objekt vom Hintergrund feistellen

Beitrag von caprinz » Donnerstag 29. März 2018, 13:44

Fossil hat geschrieben:
caprinz hat geschrieben:Interessant übrigens,dass du denkst,"Nelli" ist im Studio entstanden. Sie sitzt in einer Bar an der Theke,etwas gedankenverloren,und der Hintergrund ist ein dunkelblauer Wandteppich.
lch habe das vermutet, weil es wie eine Studioaufnahme und entsprechend gestellt wirkt und nicht wie eine Aufnahme, die in der belebten Welt außerhalb eines Studios aufgenommen wurde. Allerdings muss ich gestehen, dass ich auch noch nie in einer Bar gesessen habe, wo mein Gegenüber so perfekt ausgeleuchtet wurde. Oder ist diese Bar in Deinem Studio? Der blaue Hintergrund nebst Kettenlady findet sich ja auch auf anderen Bildern von Dir.
Der blaue Hintergrund ist reiner Zufall,da die Bilder zeitlich Jahre auseinander liegen,ebenso die Locations.Kreutal (bei Siegen) und Antwerpen/Belgien
Bei der Kettenlady habe ich,wenn ich mich recht erinnere, schwarzen Hintergrund blau angeblitzt...
Mein Studio ist da,wo ich hingehe.

BTW: Im Thread "strahlende Augen" hat auch u.a. Lenno gezeigt,dass er es gut kann und drauf hat und einem Einsteiger zeigen kann,wie es richtig geht.
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Re: Person bzw. Objekt vom Hintergrund feistellen

Beitrag von Harry53 » Freitag 30. März 2018, 13:37

Nimm dein 45-150 und dein Modell, dann stelle das Modell um einiges weiter weg vom Hintergrund.
Bei größerer Distanz zwischen Modell und Hintergrund klappt es auch besser mit der Freistellung.
Einfach probieren, klappt bestimmt. :D
Gruß Harry
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Re: Person bzw. Objekt vom Hintergrund feistellen

Beitrag von klamihb » Samstag 31. März 2018, 14:36

Mit Endbrennweite näher an die Person/das Objekt heran ergibt mehr Freistellungspotential.

mike

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Re: Person bzw. Objekt vom Hintergrund feistellen

Beitrag von available » Sonntag 1. April 2018, 12:07

Hallo zusammen,

ich bin ja nur noch sehr selten hier im Forum. Nach dem Lesen einiger Antworten in diesem Thread hat es mich aber mal wieder in den Fingern gejuckt etwas zu schreiben wofür ich vielleicht gesteinigt werden. Aber damit kann ich leben.

Matthias konnte wie ich lese von einem Großteil sehr gut geholfen werden. Das ist gut so und somit Zweck erfüllt.

Ein paar Dinge die hier geschrieben wurden sind aber definitiv falsch oder zumindest im Kontext unglücklich formuliert. Wen' s nicht interessiert der kann jetzt hier auflösen zu lesen. ;)



Als erstes David.
Lenno hat geschrieben:Um richtig schöne Freistellungen zu erzielen ist man bei MFT auf lichtstarke Objektive angewiesen.
Objektive mit Blende 1,8 - 1,7 - 1,2 und Brennweite ab 42-45mm sind da gut.
Richtig, die aufgezählten Objektive sind dafür gut geeignet. Der erste Satz ist aber falsch. Hohe Lichtstärke ist hierfür (wie auch von einigen usern u.a. Holger hier geschrieben) nicht erforderlich. Ich habe schon extreme Freistellungen mit dem 100-300er erzielt. Ausschlaggebend für eine Freistellung ist die Brennweite, der Abstand Sensor/Motiv und der Abstand Motiv/Hintergrund. Ganz akribisch betrachtet wäre die Abbildungsgröße und die Pixelgröße. (Selbst einer gekonnten Aufnahme mit 24x36mm Sensor und z.B. einem 1.2/85er kann man in Thumbnailgröße keine Freistellung ansehen.)

Nochmal David. Hier aber mit Augenzwinkern von mir. ;)
Lenno hat geschrieben:Bei denn Zooms ist leider bei 2,8 Schluss. Wenn man wirklich richtig viel Lichtstärke benötigt muss man zu Festbrennweiten greifen.
Ich verwende zwei Zooms mit Lichtstärke f/2.0 an mFT (14-35 und 35-100mm)

Caprinz:
caprinz hat geschrieben:...um eine Person "frei zu stellen" brauchst du einen passenden ruhigen Hintergrund,möglichst monochrom und ohne störende Strukturen.
Die Bilder in diesem Thread zeigen genau auf,wie man es nicht machen sollte.
Eine noch bessere Idee für die Bildgestaltung ist,Locations zu suchen,wo die Person vom Style und ihren Klamotten in die Umgebung hineinpasst.
Zur Freistellung ist kein passender Hintergrund erforderlich. Das ist (für welches Ergebnis auch immer) reine Technik.
Wichtig ist der Hintergrund jedoch zur Bildgestaltung. Zu den Ästen wurde ja schon einiges geschrieben. Störender finde ich persönlich beim zweiten Portrait aber das Bauwerk hinter dem Kopf des Mädchens. Durch den dem Gesicht sehr ähnlichen Tonwert des Bauwerks kann sich dieses nicht optimal vom Hintergrund trennen.
Wie schreibt Andreas Feininger in "Die hohe Schule der Fotografie"
"FORMEN von klarem Schnitt, interessant und kühn."

oder

"UMRISSLINIEN, die typisch für das Objekt sind, kräftig oder ungewöhnlich; klare Silhouetten."

Das ist bei diesem Bild leider nicht der Fall.

Caprinz:
caprinz hat geschrieben:...Eine noch bessere Idee für die Bildgestaltung ist,Locations zu suchen,wo die Person vom Style und ihren Klamotten in die Umgebung hineinpasst.
Da sieht man mal wieder, dass es sich hierbei um Geschmack handelt. Ich persönlich finde Dein von Dir eingestelltes Beispielbild welches ich hier nicht verlinken möchte vom Style/Umgebung nicht sehr passend.


Nochmal David:
Lenno hat geschrieben: Die Bilder sollen vor allem zeigen, wie die Hintergrundschärfe des Olympus m.Zuiko45mm/f=1,8 in Relation zur Person aussieht.
Und zwar ungeschönt.
Was heißt hier ungeschönt?
Lenno hat geschrieben:Kinder sind keine TFP Modells die sich stundenlang strietzen lassen - man muss sie da aufnehmen wo sie gerade sind.
Und Erwachsene sind da keinen deut besser.
Die Bilder zeigen also zu 99,9% die Situation die man im Hobby Fotografen Alltag haben wird.
Hinsichtlich Darstellung der Freistellung gebe ich Dir recht. Hinsichtlich Situation als solche (und davon schreibst Du ja) nicht, denn der zeitliche Aufwand der hinter dieser Aufnahme steht ist genauso groß wie der bei Caprinz Aufnahme. 99,9% der hier anwesenden Fotografen stellen weder eine Softbox für ihre Speedlights auf noch müssen sie das Licht einmessen.
Herausgekommen ist aber ein gut belichtetes Portrait mit Hintergrund der wieder vom Geschmack abhängt.
Lenno hat geschrieben:Wem eine richtig schöne Freistellung sehr wichtig ist wird hier zu einer Kamera mit Kleinbildsensorgröße greifen,
wie es dann Berufsfotografen tun, denn mit MFT gelingt das eben nur mit sehr viel Aufwand und sehr lichtstarken meist teuren Objektiven.
Richtig. Mit Vollformat kann man bei passender Objektivwahl mehr als mit mFT Freistellen. (Mehr dazu weiter untern) Warum das aber nur Berufsfotografen tun sollten ist mir nicht einleuchtend.


Caprinz:
caprinz hat geschrieben: Je größer der Sensor,desto geringer die Schärfentiefe.
Als Extrembeispiel kann man Kleinbild mit 1,0/50mm oder 1,2/85mm anführen.
Der erste Satz stimmt nicht so ganz. Das A und O sind die Objektive. Am Sensor liegt die Freistellung nämlich nicht.
Die Schärfentiefe ist nur eine Funktion der Brennweite, des Aufnahmeabstands und der Blende.
Also wird anders ein Schuh draus.

Beispiel mFT/KB. Durch den kleineren mFT-Sensor gegenüber KB muss für den entsprechenden Aufnahmemaßstabs an einer mFT-Kamera eine um Faktor 2 kleinere Brennweite gewählt werden.
=> Faktor 2 höhere Schärfentiefe oder andere herum Faktor 2 geringere Freistellung.

Zu dem von Dir eingestellten Portrait.
Ich schreibe hierzu etwas, da Du dem Betrachter erklärst:
caprinz hat geschrieben:Sie sitzt in einer Bar an der Theke,etwas gedankenverloren,und der Hintergrund ist ein dunkelblauer Wandteppich.
Ich kenne mich etwas mit Licht aus. An eine Bar habe ich beim Betrachten nicht gedacht. Mir sind Bars mit konstanter Farbtemperatur und derart weichem Licht nicht bekannt. (Mir kam Shining die „Bar Szene“ in den Hinterkopf; weiches Licht durch große Lichtquellen, mit den Hauptlichtquellen von unten) Ich denke bei Dir aber eher an eine Bar mit Studioblitzanlage.
Weshalb:
Das Licht ist extrem weich (supersofter Schatten, teilweise sogar gar nicht mehr vorhanden) Es muss sich also um einen relativ gesehen sehr große Lichtquelle handeln.
Entweder sehr groß und weiter entfernt oder kleiner und näher. Gegen kleiner und näher spricht, dass der Lichtwertabfall über dem Gesicht sehr gering ist. (Anders als z.B. bei Shining)
=> Also bleibt die größere und weiter entfernte Lichtquelle übrig. Als Faustformel Abstand = Durchmesser. Du schreibst (vielleicht auch etwas unglücklich formulierst) nur von Bar und nicht von einer von Dir eingesetzten Lichtquelle, dann müsste es sich um ein Fenster mit 5500°K handeln.
Von mir mal geschätzt 5m Abstand, da man sich sonst nicht mehr bewegen könnte. Also 5m großes Fenster in einer Bar. :shock:

Da wird kein Schuh draus. Also bleibt meine Annahme, dass das Bild extrem bearbeitet wurde. Fast alle Schatten wurden nachträglich aufgehellt und am Gesicht rumoperiert. (Siehe ihr linker Mundwinkel, die unterschiedlichen Catch Lights)

BTW. Was ich mir als Sting Fan schon länger ansehen muss. ;)

Wenn schon Zitat, dann richtig:
Nicht "because", sondern "If", "I hope" oder "Is that". Das macht einen anderen Sinn.

Viele Grüße

Andreas
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Re: Person bzw. Objekt vom Hintergrund feistellen

Beitrag von caprinz » Montag 2. April 2018, 13:26

available hat geschrieben: Caprinz:
caprinz hat geschrieben:...Eine noch bessere Idee für die Bildgestaltung ist,Locations zu suchen,wo die Person vom Style und ihren Klamotten in die Umgebung hineinpasst.
Da sieht man mal wieder, dass es sich hierbei um Geschmack handelt. Ich persönlich finde Dein von Dir eingestelltes Beispielbild welches ich hier nicht verlinken möchte vom Style/Umgebung nicht sehr passend.

caprinz hat geschrieben: Je größer der Sensor,desto geringer die Schärfentiefe.
Als Extrembeispiel kann man Kleinbild mit 1,0/50mm oder 1,2/85mm anführen.
Der erste Satz stimmt nicht so ganz. Das A und O sind die Objektive. Am Sensor liegt die Freistellung nämlich nicht.
Die Schärfentiefe ist nur eine Funktion der Brennweite, des Aufnahmeabstands und der Blende.
Also wird anders ein Schuh draus.

Beispiel mFT/KB. Durch den kleineren mFT-Sensor gegenüber KB muss für den entsprechenden Aufnahmemaßstabs an einer mFT-Kamera eine um Faktor 2 kleinere Brennweite gewählt werden.
=> Faktor 2 höhere Schärfentiefe oder andere herum Faktor 2 geringere Freistellung.

Zu dem von Dir eingestellten Portrait.
Ich schreibe hierzu etwas, da Du dem Betrachter erklärst:
caprinz hat geschrieben:Sie sitzt in einer Bar an der Theke,etwas gedankenverloren,und der Hintergrund ist ein dunkelblauer Wandteppich.
Ich kenne mich etwas mit Licht aus. An eine Bar habe ich beim Betrachten nicht gedacht. Mir sind Bars mit konstanter Farbtemperatur und derart weichem Licht nicht bekannt. (Mir kam Shining die „Bar Szene“ in den Hinterkopf; weiches Licht durch große Lichtquellen, mit den Hauptlichtquellen von unten) Ich denke bei Dir aber eher an eine Bar mit Studioblitzanlage.
Weshalb:
Das Licht ist extrem weich (supersofter Schatten, teilweise sogar gar nicht mehr vorhanden) Es muss sich also um einen relativ gesehen sehr große Lichtquelle handeln.
Entweder sehr groß und weiter entfernt oder kleiner und näher. Gegen kleiner und näher spricht, dass der Lichtwertabfall über dem Gesicht sehr gering ist. (Anders als z.B. bei Shining)
=> Also bleibt die größere und weiter entfernte Lichtquelle übrig. Als Faustformel Abstand = Durchmesser. Du schreibst (vielleicht auch etwas unglücklich formulierst) nur von Bar und nicht von einer von Dir eingesetzten Lichtquelle, dann müsste es sich um ein Fenster mit 5500°K handeln.
Von mir mal geschätzt 5m Abstand, da man sich sonst nicht mehr bewegen könnte. Also 5m großes Fenster in einer Bar. :shock:

Da wird kein Schuh draus. Also bleibt meine Annahme, dass das Bild extrem bearbeitet wurde. Fast alle Schatten wurden nachträglich aufgehellt und am Gesicht rumoperiert. (Siehe ihr linker Mundwinkel, die unterschiedlichen Catch Lights)

BTW. Was ich mir als Sting Fan schon länger ansehen muss. ;)

Wenn schon Zitat, dann richtig:
Nicht "because", sondern "If", "I hope" oder "Is that". Das macht einen anderen Sinn.

Viele Grüße

Andreas
Hallo Mr. available

Ja du hast vollkommen recht,das Model passt nicht mit der Beleuchtung/Szene in eine Bar.
Ich habe lediglich erwähnt,dass das Bild in einer Bar entstanden ist.Ob ich das Model mit Location Bar in Kontext bringen wollte,steht aber auf einem anderen Blatt,war bewußt nicht beabsichtigt.Ist mir offensichtlich gelungen,wenn der Betrachter an Studio denkt.
Das Bildbeispiel habe ich für Matthias ausgesucht,um zu verdeutlichen,was passieren kann,wenn man bei Portraits eine zu große Blende wählt.
Nicht mehr,nicht weniger.
Zu dem Zeitpunkt hatte ich kein Studio,ich habe auch jetzt kein eigenes mehr,aber die Bar als Location zur Verfügung und der Hintergrund eignete sich sehr gut.
Es war,wie du richtig vermutest,ein Studioblitz mit 100x100 Softbox im Einsatz.

Was richtiges Zitieren betrifft,so spiele ich den Ball an dich zurück,denn ich finde es durchaus ärgerlich,wenn man nur zwei Sätze zitiert und dadurch der Kontext verloren geht.
Wenn du meinen Beitrag an Matthias nochmal lesen magst,so habe ich was Freistellen,Blende Perspektive,Formatfaktor,Kleinbildformat,Lichtstärke,Abstand etc. betrifft im Prinzip inhaltlich genau das Gleiche geschrieben wie du. ;)

Aber trotzdem vielen Dank für den Hinweis mit dem Songzitat,ich ändere es. ;)
Gruß Carsten

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Re: Person bzw. Objekt vom Hintergrund feistellen

Beitrag von Fossil » Montag 2. April 2018, 14:44

caprinz hat geschrieben:Interessant übrigens,dass du denkst,"Nelli" ist im Studio entstanden. Sie sitzt in einer Bar an der Theke,etwas gedankenverloren,und der Hintergrund ist ein dunkelblauer Wandteppich.
caprinz hat geschrieben:du hast recht,das Model passt nicht mit der Beleuchtung/Szene in eine Bar.
Ich habe lediglich erwähnt,dass das Bild in einer Bar entstanden ist.Ob ich das Model mit Location Bar in Kontext bringen wollte,steht aber auf einem anderen Blatt,war bewußt nicht beabsichtigt.Ist mir offensichtlich gelungen,wenn der Betrachter an Studio denkt.
Da geht einiges durcheinander. Soll der Betrachter nun an "Bar" oder an "Studio" denken? Egal wo Nelli verortet werden soll, sie wirkt nicht gedankenverloren, sondern posierend und definitiv nicht natürlich. Bitte denke nicht, wir schießen uns hier grad auf Dich ein, ich würde nur gern verstehen, wie das Portrait denn nun wirken soll: Als spontan beim Zusammensitzen in der Bar entstanden oder konzipiert und mit technischem Aufwand produziert?
Beste Grüße von Antje

Lumix FZ 200, Canon EOS 100, Nikon FE 2, Voigtländer Prominent Synchro-Compur, Fujifilm FinePix F40 fd, Bleistift und Skizzenblock

caprinz
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Re: Person bzw. Objekt vom Hintergrund feistellen

Beitrag von caprinz » Montag 2. April 2018, 14:50

Fossil hat geschrieben:Da geht einiges durcheinander. Soll der Betrachter nun an "Bar" oder an "Studio" denken?
Ich zitiere noch einmal für dich aus dem obigen Beitrag:

Das Bildbeispiel habe ich für Matthias ausgesucht,um zu verdeutlichen,was passieren kann,wenn man bei Portraits eine zu große Blende wählt.
Nicht mehr,nicht weniger.
Gruß Carsten

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