Der kleinste Farbraum ist (meist) der beste.

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ThomasT
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Der kleinste Farbraum ist (meist) der beste.

Beitrag von ThomasT » Donnerstag 3. April 2014, 02:09

Hallo,

oft liest man, dass man besser AdobeRGB oder noch andere Farbräume benutzen sollte, die einen höheren Farbumfang haben (als z.B. sRGB) um mehr Farbtreue, Farbwiedergabe und Farbauflösung zu haben.

Das Gegenteil ist der Fall!

Zumindest wenn man mit 8bit-Bilder arbeitet. Bei mehr Bit stehen die Vorteile des größeren Farbgamuts im Vordergrund.
Bei 8-bit aber ist die Sache anders.

Ein größerer Farbraum bedeutet, dass hellere und gesättigtere ("grellere") Farben dargestellt werden können. Im kleineren Farbraum können diese nicht dargestellt werden. Diese Farben werden dann bei Kovevrtierung vergraut.
D.h. ein Rot R1 (255, 0, 0) im größeren Farbraum F1 ist heller und gesättigter als ein R2 mit den gleichen RGB-Werten (255, 0, 0) im kleineren Farbraum F2.
(nebenbei: deshalb ist es falsch und Unsinn, RGB-Wert als Farbe anzusehen, z.B. bei Corporate Identity Angaben wie das Firmenlogo, ohne Angabe des Farbraums ist die Angabe wertlos)

R1 kann im kleineren Farbraum F2 nicht dargestellt werden! Es wird zu R2 geclippt.
Das wird als Nachteil angesehen. Ist es aber in fast allen Fällen nicht! Aus zwei Gründen:
erstens das menschliche Auge ist sehr empfindlich für Abweichungen bei Grauwerten, aber unempfindlich bei gesättigten Farben. Hier fallen Unterschiede nicht oder nur im direkten AB-Vergleich auf. (Vorallem bei Blau nicht, mehr bei Rot und bei Grün dazwischen. Das menschliche Auge ist für Unterschiede im Roten am empfindlichsten) Auch das Sättigungsempfinden ist logarithmisch. Und zweitens weil fast alle Farben im Bild gar nicht in diesen Bereich fallen. Ausser Leuchtreklame oder ähnliches nachts. Oder Laser. Oder reine Spektralfarben. Alle nicht selbst leuchtenden Gegenstände nicht. Auch Regenbögen nicht. Gewöhnlich wird die maximale Sättigung gar nicht ausgenutzt. 99% der Pixel sind innerhalb von ca. 50% Sättigung. Kann man gerne im Lab-Modus untersuchen. Das Problem des Farbraums, d.h. des ungenügenden Gamuts, stellt sich für die meisten Photos gar nicht. (beim Druck ist es was anderes)

Aber es gibt ein Problem. R2 kann im Farbraum F1 sehr wohl dargestellt werden. Vielleicht ist es ein Rot (200, 50, 50) oder so.
Ich vereinfache mal zu (200, 0, 0).

Also die Farbe R2 wird im Farbraum F2 mit dem Rot-Wert 255 dargestellt. Im Farbraum F1 nur mit 200, weil ja noch "Luft nach oben" sein muss für die noch grelleren Rottöne und 255 das 8-bit-Maximum ist.
D.h. für einen Farbverlauf von Schwarz nach Rot R2 stehen einmal 255 Abstufungen zur Verfügung und einmal 200 Abstufungen. Und zwar 255 Abstufungen im kleineren Farbraum!
Analoges gilt für weniger gesättigte Farben, was ja eben 99% sind.

Im vermeintlich besseren Farbraum stehen also für fast alle praktisch vorkommen Farben weniger(!) Abstufungen zur Verfügung.

Sollte man bedenken! Klingt vielleicht paradox. Aber der kleinere Farbraum ist von der Farbauflösung was Abstufungen angeht besser.


Gruß Thomas
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Re: Der kleinste Farbraum ist (meist) der beste.

Beitrag von DocReason » Donnerstag 3. April 2014, 06:24

Hallo Thomas,

danke für Deine Ausführungen! Die Erläuterungen decken sich mit meinen praktischen Erfahrungen. Bei den Versuchen, mehr Farbtreue herauszukitzeln, wurden die Ergebnisse eher schlechter als besser. Allerdings wusste ich nicht, warum das so ist. Jetzt bin ich schlauer ...
- Frank -

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Re: Der kleinste Farbraum ist (meist) der beste.

Beitrag von veo » Donnerstag 3. April 2014, 09:34

Vielen Dank, ThomasT, für Dein ausführliches Posting! Das hilft mir zu einem besseren Verständnis meiner Probleme mit dem Rot.
ThomasT hat geschrieben: oft liest man, dass man besser AdobeRGB oder noch andere Farbräume benutzen sollte, die einen höheren Farbumfang haben (als z.B. sRGB) um mehr Farbtreue, Farbwiedergabe und Farbauflösung zu haben.

Das Gegenteil ist der Fall!

Zumindest wenn man mit 8bit-Bilder arbeitet. Bei mehr Bit stehen die Vorteile des größeren Farbgamuts im Vordergrund.
Bei 8-bit aber ist die Sache anders.
Deine Einleitung muss man allerdings genau lesen, denn das "(meist)" darf man m.E. nicht überlesen. Nicht umsonst Verarbeitet z.B. Lightroom die RAW Dateien im ProPhoto RGB Farbraum. Die Probleme entstehen, so lese ich Deine Ausführungen, dann bei der Umsetzung in den (s)RGB Farbraum beim Export. Das macht mir noch mal die Wichtigkeit des Softproof auch bei der Veröffentlichung im WEB deutlich. Diesen Schritt hatte ich bislang nur für die Druckvorschau für wesentlich erachtet.
GX9+Vario 3,5/14-140+Vario 100-300+GII 1,7/20+M.Zuiko 1,8/45+Fisheye 8,0/9+Sigma 28-200 (Minolta adaptiert), TZ101, Sirui T-025X, Capture One 20
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ThomasT
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Re: Der kleinste Farbraum ist (meist) der beste.

Beitrag von ThomasT » Donnerstag 3. April 2014, 10:51

veo hat geschrieben: Deine Einleitung muss man allerdings genau lesen, denn das "(meist)" darf man m.E. nicht überlesen. Nicht umsonst Verarbeitet z.B. Lightroom die RAW Dateien im ProPhoto RGB Farbraum. Die Probleme entstehen, so lese ich Deine Ausführungen, dann bei der Umsetzung in den (s)RGB Farbraum beim Export. Das macht mir noch mal die Wichtigkeit des Softproof auch bei der Veröffentlichung im WEB deutlich. Diesen Schritt hatte ich bislang nur für die Druckvorschau für wesentlich erachtet.
Wenn LR intern mit höhere Auflösung arbeitet als 8 bit, dann passt das schon. Dann stehen intern genügend Abstufungen zur Verfügung. Z.B. 32768 bei 16bit. (0x8000 entspricht 255)
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Re: Der kleinste Farbraum ist (meist) der beste.

Beitrag von emeise » Donnerstag 3. April 2014, 19:58

Mir scheint das alles nicht so kompliziert.

LR mit RAW machen die Probleme nicht, - und mein wide gamut Monitor tut was er kann :lol:
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Bei der Ausgabe ins Web sollte allerdings sRGB verwendet werden, denn damit arbeiten die Browser.

Das ist im WWW Standard.

Einfach beschrieben auch hier : Farbräume
FZ1K, TZ101, EOS 600D, GX7, G9, E-M5 m II / 12-40 und 7-14mm 2.8 Pro
Wenn ich all mein Equipment aufzähle, ist die Seite vollgemüllt.

keep it simple
Grüßle, Dieter

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