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Alte Dias - wer kennt sich aus?
Verfasst: Montag 13. März 2023, 18:45
von icetiger
Hallo
aktuell bin ich dabei, mit einem gemieteten Magazinscanner meine alten Dias einzuscannen. Teilweise ist es leider schon zu spät - und darauf bezieht sich auch meine Frage.
Die meisten Dias sind farblich noch ganz normal oder wenigstens so, dass man sie noch retten kann. Aber immer wieder sind Dias dabei, die völlig unbtrauchbar sind, weil sie kaum noch Farben haben, alles nur noch lila ist. Ich könnte es verstehen, wenn es jeweils einen ganzen Film betreffen würde - dann wäre seinerzeit entweder der Film nicht in Ordnung gewesen oder bei der Entwicklung etwas schiefgegangen. Aber es betrifft einzelne, zum Teil unmittelbar nacheinander aufgenommene Bilder. Beispielsweise ein fahrender Zug (mit E94): Zwei Bilder sind völlig normal, eines lila, dann wieder normal. Die Bilder waren unter identischen Bedingungen im gleichen Magazin gelagert, daher ist das ganze für mich einfach nicht nachvollziehbar. Hat irgendwer eine Idee, woher das kommen könnte?
Peter
Re: Alte Dias - wer kennt sich aus?
Verfasst: Montag 13. März 2023, 18:59
von Jock-l
Das kann mehrere Ursachen haben- Filme wurden als Massenware durch Entwicklungsbäder geschickt, gewässert etc. Aus Wirtschaftlichkeitsgründen (Wettbewerb) haben Firmen entweder die Wechsel gesättigter Lösungen gegen frischen Bäder austauschen eingehalten oder verzögert umgesetzt. Kann man nicht mehr nachprüfen... denn die damalige Prüfung "nach Sicht" gab den Handelnden irgendwo Sicherheit, im grünen Bereich zu sein, weil man sich das entwickelte Material ansah bzw. bei vielen Reklamationen nur dahingehend reagierte, den Materialwert zu ersetzen.
Aufbewahrung- Plastikboxen u.ä. dünsten im Laufe der Jahre aus, diese Ausgasungen sind für sonst trocken und staubfrei gelagerten Dias ein denkbarer Einlußfaktor. Deswegen hatten Fotografen die vornehmlich auf Dia arbeiteten auch in den sauren Apfel höherer Preise für Zubehör beißen müssen gegenber manchen BIlligaufbewahrungsangebot aus der Ramschecke (säurefreie Boxen versus einfach Boxen ohne entspr. Zertifizierung).
Denkbar ist für ganze Filme Vieles, vielleicht kommt auch noch Licht dazu, wenn Dias in der Vergangenheit einige Zeit offen rumlagen...
Früher habe ich selbst entwickelt, Dose aufstoßen daß Luftbläschen aufstoßen und der Film überall gleich benetzt wird... daran kann ich mich gut erinnern. Bei Farbdias ist erinnerlich, wenn die Lösung nicht richtig temperiert war oder durchmischt sah ich später Schlieren in der Emulsion...
Vielleicht durchliefen die Filme vor Schnitt auf Streifenlänge die Bäder, die nicht richtig durchmischt waren ?
Re: Alte Dias - wer kennt sich aus?
Verfasst: Montag 13. März 2023, 20:46
von icetiger
Re: Alte Dias - wer kennt sich aus?
Verfasst: Montag 13. März 2023, 21:01
von Jock-l
Eben, das Ausfallen einzelner Dias gegenüber den soweit ordentlichen Bestand der großen erhaltenen Abteilung spricht für andere Ursachen als meine Denkansätze. Das mit den Umwelteinflüssen und Ausgasen von Plastik oder Reagieren auf Inhaltstoffe kennen andere Hobbyisten auch, z.B. die Briefmarkensammler und Numismatiker (Anlaufen und Verfärben von Umlaufoder gedenkmünzen).
Wenn es einzelne Dias betrifft, im ganzen Filmanschnitt und nicht nur einen Anteil (so wie ein Übergang normale Emulsion auf verfärbte Anteile) spricht m.E. eine falsche Lagerung für derartige Ausfälle. Herausnahme/Liegenlassen einzelner Dias oder ähnliches, vielleicht sind das auch Ausfälle seitens der Trägeremulsionen aus der Herstellung des Films. Aber gegen diese Annahme spricht, daß es genau im Film/Diaraster Ausfälle ganz ohne Übergänge sind...
Waren die Dias unter Glas gerahmt ?
Re: Alte Dias - wer kennt sich aus?
Verfasst: Montag 13. März 2023, 21:22
von Sinuett
Ich scanne gerade alte Dias und kann deine Erfahrungen bestätigen.
Fast alle haben einen Blaustich aber einige sind so schlecht, die sind fast Monochrom.
Das gilt auch für unterschiedliches Material.
Normale Diafilme wie auch z. B. Kodachrome 64.
Scheint mir so, als würden einzelne Dias schneller altern als andere.
Warum auch immer.
Grüße
Sinuett
Re: Alte Dias - wer kennt sich aus?
Verfasst: Montag 13. März 2023, 21:51
von Polly-Marie
Die Zugbilder sind ja klasse. Man sieht, dass es ältere Bilder sind. Aber genau das macht ja den Charme aus.
Ich habe auch noch Hunderte Dias in Boxen liegen, wie mir gerade eingefallen ist. Schon länger nicht mehr angeguckt. Aber nun bin ich doch neugierig, ob meine auch lila sind. Wäre ja schade. Und wenn nicht, würde es vielleicht Sinn machen, sie alle zu scannen, bevor sie die Farbe verändern.
Aber das scheint ja ein teurer Spaß zu sein, obwohl es auch billige gibt. Die Geräte liegen zwischen gut 100 und weit über 1000 Euro. Was ist das für eine Spanne! Unterscheiden die sich in der Bildqualität wirklich so sehr?
Re: Alte Dias - wer kennt sich aus?
Verfasst: Montag 13. März 2023, 23:04
von icetiger
Also, wenn Deine Bilder noch in Ordnung sind, solltest Du sie baldmöglichst scannen. Scannen lassen ist natürlich bequem, aber dafür auch nicht ganz billig.
Davon abgesehen kommt es natürlich darauf an, was man für Ansprüche hat. Sehr viele Dias habe ich
hiermit digitalisiert - mit zufriedenstellendem Ergebnis. Wenn Du einen Projektor hast, brauchst Du nur den Umbausatz und ein Makroobjektiv (Altglas). Aus den digitalisierten Dias habe ich sogar ein Fotobuch zusammengestellt. Der Aufwand der Nachbearbeitung ist aber nicht zu unterschätzen.
Um nun die restlichen Dias zu digitalisieren habe ich mir aktuell einen Magazinscanner Reflecta DD 7000
gemietet. Der läuft momentan nahezu nonstop. Aber auch hier ist doch mehr Nachbearbeitung nötig bzw. sinnvoll, als erwartet. Einfach nur Magazin reinschieben und nach dem Scannen archivieren klappt leider nicht.
Der DD 7000 ist ein echter Scanner, im Gegensatz zu seinem
kleinen Bruder. Der arbeitet nach einem ähnlichen Prinzip wie der umgebaute Projektor, die Dias werden abfotografiert.
Viel zu diesem Thema
kannst Du hier lesen. Solltest Du Dich für einen DD 7000 entscheiden, habe ich inzwischen ein paar Tipps aus der Praxis parat.
Peter
Re: Alte Dias - wer kennt sich aus?
Verfasst: Montag 13. März 2023, 23:16
von Polly-Marie
Oha, das scheint ja eine sehr aufwändige Sache zu sein.
Dein Aufbau mit der Kamera und dem Makroobjektiv ist ja sehr einfallsreich. Ich vermute aber, dass der Scanner, trotz Nacharbeit, in Summe weniger Zeit beansprucht und vermutlich auch von der Qualität besser ist, oder?
Morgen bei Tageslicht werde ich mal die alten Dias sichten.
Re: Alte Dias - wer kennt sich aus?
Verfasst: Dienstag 14. März 2023, 09:01
von icetiger
Der Aufbau mit dem umgebauten Projektor ist die Methode DiaDigifix (Fotonovum), die ich oben verlinkt habe. Die Ergebnisse sind für meine Begriffe mehr als brauchbar - erst recht unter dem Gesichtspunkt, dass man die Bilder gerne mal schnell auf auf dem Tablet anschaut. Auch auf dem 40"-Fernseher (größere Geräte kann ich nicht ausprobieren) kann man die Bilder gut anschauen. Bilder, die man jahr(zehnt)elang nicht angeschaut hat, weil der Aufbau des Projektors + Leinwand immer recht aufwendig war.
Die Ergebnisse mit dem DD7000 sind theoretisch natürlich etwas besser, einen echten direktvergleich habe ich bisher aber nicht gemacht. Der gesamte Zeitaufwand ist mit dem DD7000 auf jeden Fall deutlich geringer.
Die günstigsten Angebote von Dienstleistern entsprechen m.E. wohl etwa dem, was man mit dem DD7000 oder seinen Vorgängern erwarten kann.
Peter
Re: Alte Dias - wer kennt sich aus?
Verfasst: Dienstag 14. März 2023, 09:38
von Kade1301
Zu den einzelnen veränderten Bildern vermute ich, dass das die sind, die besonders oft projiziert wurden (oder sonstwie gezeigt, gegens Licht halten tut Dias bestimmt auch nicht gut, v. A. wenn es von der Sonne kommt). Bei den Zügen ist das lila Bild das mit der deutlichen Bewegungsunschärfe beim anderen Zug...
Ich hatte allerdings keine Farbstiche, als ich vor drei Jahren meine Dias gescannt habe. Mit einem schlichten Flachbettscanner (mit Durchlichteinheit) habe ich Podcasts schätzen gelernt. Aber im frz. Lockdown hatten wir ja viiiel Zeit... Wie die Qualität ist, weiß ich gar nicht, weil ich mir die Scans genau so wenig anschaue wie vorher die Dias...
Re: Alte Dias - wer kennt sich aus?
Verfasst: Dienstag 14. März 2023, 11:02
von Sinuett
Wie Icetiger schon schrieb: nein.
Gleiche Kiste. Jahrzehntelang nicht angerührt.
Unterschiedlich schlechte Dias.
Grüße
Sinuett
Re: Alte Dias - wer kennt sich aus?
Verfasst: Dienstag 14. März 2023, 20:55
von Jock-l
Es ist echt merkwürdig, weil ich von einem anderen Fotografen mehrere Naturbilddias erworben habe (war hochwahrscheinlich ein Nachlass)... und die waren soweit ich es bisher durchstreifte tip-top Erahltungszustand.
Fiel mir beim Mitlesen spontan ein.
Re: Alte Dias - wer kennt sich aus?
Verfasst: Dienstag 14. März 2023, 21:01
von Polly-Marie
Kade1301 hat geschrieben: ↑Dienstag 14. März 2023, 09:38
Ich hatte allerdings keine Farbstiche, als ich vor drei Jahren meine Dias gescannt habe. Mit einem schlichten Flachbettscanner (mit Durchlichteinheit) habe ich Podcasts schätzen gelernt. Aber im frz. Lockdown hatten wir ja viiiel Zeit... Wie die Qualität ist, weiß ich gar nicht, weil ich mir die Scans genau so wenig anschaue wie vorher die Dias...
Schade, dass du dir die Scans nicht mal angeschaut hast. Die Qualität hätte mich jetzt interessiert.
Re: Alte Dias - wer kennt sich aus?
Verfasst: Mittwoch 15. März 2023, 08:33
von Kade1301
Wenn der PC mal wieder an ist, kann ich welche raussuchen...
Re: Alte Dias - wer kennt sich aus?
Verfasst: Mittwoch 15. März 2023, 08:42
von icetiger
Das mit dem Flachbettscanner ist die - mit großem Abstand - schlechteste Methode, die ich probiert habe. Seeehr langsam, ein 100er Magazin möchte ich damit nicht scannen. Erst recht, weil die Qualität doch sehr viel Luft nach oben lässt (Epson Perfection 3490 Photo). Die Ergebnisse mit dem umgebauten Projektor sind um Klassen besser und es geht sehr viel schneller. Könnte sein, dass ich dazu noch Beispiele auf der Festplatte habe, bei Interesse kann ich die dann mal zeigen.
Einen Direktvergleich mit dem DD7000 kann ich ggfs. machen, wenn ich alle Magazine geschafft habe und noch Mietzeit übrig ist.
Peter