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Kamereinstellungen bei RAW
Verfasst: Donnerstag 1. August 2013, 14:03
von fliegerrolli
Hallo, bei der momentanen Hitze habe ich mich mit meiner GH2 ins kühle Zimmer zurückgezogen.
Ich habe eine allgemeine Verständnisfrage, vielleicht hat ja einer von Euch eine Antwort.
Wenn ich die GH2 auf RAW eingestellt habe, ignoriert sie doch alle Presets, die ich verändert habe, z.B. Weissabgleich in Richtung Gelb und Magenta, iR, Schärfe, Farbbrillianz, etc.
Lediglich ISO Automatik, und Werte aus den P,A,S,M Modi werden für das Foto berücksichtigt.
Korrekt?
Ciao Roland
Re: Kamereinstellungen bei RAW
Verfasst: Donnerstag 1. August 2013, 14:09
von partisan
Nicht ganz!
Einige Dinge haben durchaus auch auf das RAW Einfluss,
ganz steige ich da auch noch nicht durch.
- Aber ich reduziere auf jeden Fall immer Schärfe, Kontrast und Rauschreduzierung
- Schattenkorrektur geht auch aufs Raw
- Ach ja: der Weissabgleich indirekt auch: Wenn du gleich richtig belichtest (der Kamera sagst, wo du/sie 18% grau findest) hast du mehr Potenzial in der Entwicklung später
Mal sehen, ob die Liste hier noch vollständig wird...
Re: Kamereinstellungen bei RAW
Verfasst: Donnerstag 1. August 2013, 15:05
von fliegerrolli
Hallo Partisan,
Genau. Das ganze ist doch recht komplex. Im Manual steht da nix, im "besser Späth als nie Buch" habe ich auch nix dazu gefunden.
Die von Dir genannten Parameter habe ich auch verändert, aber wie die sich jetzt auf das RAW auswirken....

Re: Kamereinstellungen bei RAW
Verfasst: Donnerstag 1. August 2013, 15:25
von basaltfreund
eigentlich würde man ja annehmen das RAW, also roh wirklich nur das Abspeichert was auf den Sensor fällt und sonst gar nichts!
Ist aber ja wohl so nicht!!! Da wäre wirlich mal eine vollständige Liste interessant!!
Re: Kamereinstellungen bei RAW
Verfasst: Donnerstag 1. August 2013, 22:26
von fliegerrolli
...scheint ja wrklich noch eine offene Frage zu sein... Bin gespannt, ob uns da jemand aufklären könnte...
Re: Kamereinstellungen bei RAW
Verfasst: Freitag 2. August 2013, 08:55
von Bongo Bong
Ich probiers mal mit meinen eigenen Erfahrungen zu erklären.
Ich habe schon mit unterschiedlichsten Kameras im RAW Fotografiert, jedoch bis auf die ISO Einstellung hatte keine andere Bildverändernde Einstellung einen Einfluß auf das RAW.
Auch bei der GH2 habe ich bis auf die Filmempfindlichkeit keine Änderung im RAW.
Alle Farb- und Helligkeitsänderungen werden nachträglich in der JPG-Engine durchgeführt. Die ISO-Einstellung jedoch davor, da es eine elektronische Verstärkung der Signale vom Sensor ist.
Jetzt kommt das Aber!
Wenn ihr einen RAW-Konverter, wie z.B. den von Panasonic nutzt (SilkyPix) dann werden die Bilder so entwickelt wie auch das parallel dazu gespeicherte JPEG.
Erst mit einem Kameraunabhängigen RAW Entwickler bekommt ihr das Original-RAW zu sehen. Dann werdet ihr auch die schlechte Objektivqualität erkennen, denn die Verzerrungen und Verzeichnung werden dann nicht herraus gerechnet (Siehe angehängte Bilder).
Last euch z.B. mit Faststone ein RAW anzeigen und drückt dann die A-Taste. Dann wird das RAW, mehr oder weniger, im Original dargestellt. Es ist nicht ganz ein Original, da ein RAW immer interpretiert wird. Jeder RAW-Konverters berechnet es nach den Vorgaben die der Programmierer mal eingefügt hat.
Gruß
Dirk
Re: Kamereinstellungen bei RAW
Verfasst: Freitag 2. August 2013, 11:36
von partisan
Bongo Bong hat geschrieben:Ich habe schon mit unterschiedlichsten Kameras im RAW Fotografiert, jedoch bis auf die ISO Einstellung hatte keine andere Bildverändernde Einstellung einen Einfluß auf das RAW.
Das stimmt so leider nicht!
Ich selbst fotografiere immer in RAW.
Auswirkungen auf das RAW hat zumindest alles, was mit der Belichtung zu tun hat:
1. Blende / Verschlusszeit
2. Iso
3. Weißabgleich (ja, der indirekt auch!)
4. Langzeit-Rauschreduzierung
5. Schattenkorrektur
zu 3) Der Weissabgleich hat bei einem dynamischen Bild selbstverständlich Einfluss auf das raw - wenn auch indirekt: Wenn ich den Weißabgleich später im Raw-Konverter verändere (was problemlos möglich ist) verändere ich immer auch Informationen in den Lichtern und Tiefen, mitunter verliere ich hier dann Informationen. Es ist deshalb sinnvoll schon bei der Aufnahme den Weißabgleich zu beachten (MW ist denke ich meist ok, aber umso genauer, desto besser eben)
zu 4) versteht sich von selber, wenn man weiß, was diese Funktion macht ...
zu 5) siehe Frank Späth`s Fotoschulen zu dem Thema :" Übrigens wirkt sich Schattenkorrektur auch beim RAW Format aus"
=> Schärfe. Rauschreduzierung und Kontrast drossel ich im "Bildstil" um später im Konverter direkt ein etwas flaueres aber dafür detailreicheres Bild zu sehen, um es dann schnell manuell bearbeiten zu können. Das sollte sich aber nicht aufs Raw auswirken, ist aber sinvoll für meinen workflow.
Ich bin mir längst nicht sicher, ob die Liste damit vollständig ist!
Lieben Gruß *
Re: Kamereinstellungen bei RAW
Verfasst: Freitag 2. August 2013, 14:08
von ThomasT
Weissabgleich geht nur als Information in das Raw ein. Er verändert nicht die Raw-Daten selbst.
Aber CameraRaw z.B. was ich benutze stellt den Weissabgleich dann schon mal so da wie es die Kamera gemacht hat. D.h. die beiden Regler nicht nicht auf Mittelstellung, sondern eben korrigiert.
Aus diesem Grund lasse ich den Weissabgleich immer auf auto. Das ist gut genug um schon mal grob die richtige Richtung beim Entwickeln zu haben. Feiner ist sinnlos, da sowieso in der Postproduction gegradet wird und grob muss man zuviel schrauben.
Re: Kamereinstellungen bei RAW
Verfasst: Freitag 2. August 2013, 14:20
von partisan
ThomasT hat geschrieben:Weissabgleich geht nur als Information in das Raw ein. Er verändert nicht die Raw-Daten selbst.
Das ist mir schon klar Thomas.
Ich finde es nur ein wenig schwierig zu erklären was ich meine, ich versuche es noch einmal:
Du wählst bei der Aufnahme einen Weißabgleich, verlässt dich auf dein Histogramm und belichtest es dann z.B. nach rechts (ETTR).
Wenn dieser eingangs eingestellte Weißabgleich aber bereits nicht ausreichend "korrekt" war, kann es dir passieren, dass du beim RAW im Konverter Tonwertbeschnitte hast/siehst wenn du ihn nachträglich stark veränderst, weil du bei der Aufnahme schon Fehler gemacht hast und bei korrektem Weissabgleich ein anderes Histogramm gesehen hättest. (Eben deshalb, weil der Weissabgleich während der Aufnahme schon völlig daneben lag, was dein Histogramm aber ja nicht wissen kann (und zudem immer ein JPEG-Histogramm ist, auch im RAW..)
Du erhältst dann eventuell nicht die Tonwerte, wie du sie dir bei der Aufnahme vielleicht vorgestellt hast.
Dass das Bild dann anders aussieht als du dir vorgestellt hast, liegt aber an einer falschen Belichtung und natürlich nicht am RAW.
Deshalb meinte ich ja auch indirekt
Aber wenn du den Weissabgleich bei der Aufnahme veränderst (ein grau festlegst), verschiebst du eben ständig den Dynamikumfang des Bildes. Manchmal fallen dann eben Lichter oder Schatten raus, diese Informationen sind auch für ein Raw verloren.
==> Mir ging es eben darum aufzuklären, dass der Weissabgleich eben auch bei RAW doch eine Rolle spielt:
Oft liest man falsch(!) so etwas wie : "Auf den Weissabgleich brauche ich bei der RAW-Fotografie nicht zu achten, den kann ich später noch korrigieren..." das stimmt aber
so nicht ganz, wie hoffentlich deutlich geworden ist.
Das Raw bekommt eben die Informartionen, die deinen Einstellungen entsprechen.
Meist fotografiere ich ja auch mit AutoWB, Wenn ich Zeit habe, wechsel ich aber auch schon mal: Indoor/outdoor und besonders auch beim Blitzen.
Die Informationen, die ins RAW eingehen, sollen eben gut sein und so wie ich sie will.
Hoffe es ist klar geworden (und so richtig

)
Grüße ***
Re: Kamereinstellungen bei RAW
Verfasst: Freitag 2. August 2013, 15:12
von Burkuntu
BTW
Gibt es auch für einen Linux Rechner einen RAW Konverter für Lumix RAWs ?

Re: Kamereinstellungen bei RAW
Verfasst: Freitag 2. August 2013, 17:41
von ThomasT
partisan hat geschrieben:
Hoffe es ist klar geworden (und so richtig

)
Sogar mehr als du sagen wolltest.
Denn der Effekt den du beschreibst, dass der WB die Histogramm
darstelllung beeinflusst, spricht abermals gegen Histogramm als sinnvolles Tool zum Einschätzen der Belichtung.
Das sage ich seit Jahren ... Histogramm ist ein Lügentool

Re: Kamereinstellungen bei RAW
Verfasst: Freitag 2. August 2013, 20:29
von fliegerrolli
Hallo Dirk,
das ist ja interessant, jetzt bin ich aber ein wenig irritiert: Im RAW werden also die physikalischen "Problemzonen" meines Objektives nicht korrigiert. Das ist klar geworden; also braucht eigentlich das technisch "optimale Bild" ein JPEG. Ein optisch "optimales Bild" erziele ich erst mit einem RAW und dem entsprechenden Workflow. Ich benutze Aperture und denke, hoffe, wünsche, dass der dort verwendete RAW Converter einigermassen zur GH" und zum 14-140II passt, wenn ich ein "reines" RAW dort hochlade und bearbeite.
Oder sollte ich erst die Bilder über SilkPix hochladen, und die RAW Daten in Aperture laden, um sie weiter zu bearbeiten? Wenn ich geahnt hätte, was ich da lostrete, hätte ich besser nicht gepostet.
Ciao Roland
Re: Kamereinstellungen bei RAW
Verfasst: Freitag 2. August 2013, 21:41
von basaltfreund
doch doch nur weiter so...das ist ein interessantes Thema!!
Re: Kamereinstellungen bei RAW
Verfasst: Freitag 2. August 2013, 21:57
von DocReason
ThomasT hat geschrieben:Histogramm ist ein Lügentool

Ist vielleicht etwas übertrieben, aber die reine Wahrheit zeigt es nach meiner Erfahrung tatsächlich nicht an. Genausowenig wie die Spitzlicht-Warnung, also das Blinken vermeintlich überbelichteter Bildbereiche im bereits geschossenen Foto. In einer schwierigen Lichtsituation (Gegenlicht) habe ich die Belichtungskorrektur so lange nach unten geändert, bis ich keine flächigen Spitzlichter mehr in der Anzeige hatte. Das Ergebnis war der berühmte "Neger-Kampf im Tunnel". Die nicht oder wenig korrigierten Bilder waren dagegen absolut in Ordnung und keineswegs überbelichtet.
Wahrscheinlich liegt es daran, dass weder das Histogramm noch die Spitzlicht-Warnung die RAW-Reserven gegenüber JPEG berücksichtigt. Dann wäre es logisch, dass die Anzeige für RAW-Fotografen zu früh Alarm gibt.
Re: Kamereinstellungen bei RAW
Verfasst: Sonntag 4. August 2013, 14:42
von Der_Pit
Burkuntu hat geschrieben:BTW
Gibt es auch für einen Linux Rechner einen RAW Konverter für Lumix RAWs ?

Mehrere sogar.
UFRaw,
darktable,
Raw Therapee,
Photivo sowie natürlich das Kommandozeilenbasierte
dcraw, das viele der erwähnten Programme intern verwenden.
Eine direkte Unterstützung für die Lumix-Objektivkorrekturen, die im EXIF mitabgespeichert werden, gibt es zwar nicht, aber einige der Programme können Objektivkorrekturen automatisch mittels der
Lensfun-Bilbliothek durchführen, falls entsprechnde Profile in der Datenbank sind (für MFT noch spärlich - kann man aber auch selbst erstellen).